4Wände - ein Lagebericht

„Wir wissen doch, wie sehr Sie Gemüse mögen!“ Mit einem Augenzwinkern wird Frauke T. ein Bund Möhren überreicht. Auch die restlichen gespendeten Lebensmittel – in der Regel Gemüse und Obst, manchmal auch Brot, Gebäck und Fleisch – werden von den Bewohnerinnen der 4Wände untereinander aufgeteilt.

SHK

30.05.2010

4 Wände

Es ist ein Mittwochvormittag, ich mache meinen regelmäßigen Hausbesuch bei den Klientinnen. Nachdem die Speisen verstaut sind, kommen alle am Küchentisch in der Erdgeschosswohnung zusammen. Dicht an dicht sitzen die fünf Frauen, die Praktikantin und ich und unterhalten uns. Es werden einige gruppenspezifische Dinge, wie Planung von Freizeitaktivitäten und hausgemeinschaftliche Belange besprochen.

Anschließend gibt es noch mit jeder Frau ein Einzelgespräch – spätestens hier bemerkt man, dass alle in dieser Situation in einem Boot sitzen. Grundtenor ist oftmals der Wunsch nach Arbeit, eigener Wohnung – eben einem neuen Start. Die Sicht auf ihre Probleme verändert sich bei den Frauen jedoch mit der Zeit, die sie in den 4Wänden verbringen. Häufig kommen nach ein paar Wochen oder Monaten, nach einer Phase der Entspannung, Probleme und Wünsche ans Licht, von denen sie bislang nichts geahnt haben.

Ziel ist der eigene Wohnraum

Das Projekt 4Wände mit zwei Wohnungen in einem Haus gibt es nun seit 1991 und ist als Übergangseinrichtung für wohnungslose Frauen gedacht. Ziel ist in der Regel immer der Umzug in eigenen Wohnraum. Seit 2007 können auch junge Frauen ab 17 Jahren aufgenommen werden. Die meisten Frauen ziehen nach einigen Monaten in eine eigene Wohnung, viele bleiben sogar im Stadtteil (Forstfeld), in dem sich 4Wände befindet. Die Frauen erhalten vielfältige Hilfe und Unterstützung: Ich begleite sie bei Ämtergängen, helfe bei nötigem Schriftverkehr, Arbeits- und Wohnungssuche und biete psychosoziale Beratung – regelmäßiger Kontakt (mindestens zweimal pro Woche) mit den Frauen und eine enge Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ist dabei unerlässlich.

Von der großen Alterspanne – zurzeit 18 bis Ende 40 Jahre – können alle Frauen profitieren. Die jungen Frauen bringen einen frischen Wind in die Hausgemeinschaft, während die anderen durch ihren Erfahrungsschatz und ihre gesammelten Erkenntnisse den einen oder anderen guten Rat weitergeben können.

Seit April 2009 sind die 4Wände mit ihren fünf Plätzen voll belegt. Der Bedarf des betreuten Wohnens für Frauen scheint in den letzten Jahren gestiegen zu sein. Auch kann ich einen signifikanten Anstieg der Anfragen von bzw. für Frauen unter 21 Jahren feststellen. Alleine in diesem Jahr wurden 21 Anfragen – davon zehn für Frauen unter 21 Jahren – meistens aus der Region Kassel (teilweise aus Höxter, Frankfurt oder sogar Hamburg) direkt an mich gerichtet. Viele Frauen musste ich an andere Einrichtungen verweisen.

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Flyer 4Wände

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