Jeder 7. Bundesbürger ist armutsgefährdet

Paritätischer legt eigenen Armutsbericht vor

Der von der Bundesregierung entworfene Armuts- und Reichtumsbericht wurde in seinen Formulierungen so geglättet, dass die Verschärfung der sozialen Ungerechtigkeit in Deutschland entkräftet und kaschiert wird.

SHK

18.03.2013

Armut web
Als Reaktion auf die Bemühungen der Bundesregierung, die Situation weniger kritisch darzustellen, hat der Paritätische Wohlfahrtsverband im Dezember 2012 einen eigenen Armutsbericht herausgegeben. Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes wird Armut bemessen am durchschnittlichen Einkommen der Gesamtbevölkerung. Als armutsgefährdet gilt demnach, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient. Für Singles liegt diese Grenze derzeit bei 952 Euro netto im Monat. Dieser Definition folgend, ist fast jeder siebte Bundesbürger von Armut bedroht. Bedenkt man, dass Miet- und Energiekosten ständig steigen, bleibt besonders bei Hartz IV Empfängern, deren Bezüge je nach Miethöhe mehr als 100 Euro unter dieser Grenze liegen, wenig für gesellschaftliche Teilhabe über. Faktoren wie ein niedriges Bildungsniveau, gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie chronische Erkrankungen und Sucht bergen ein hohes Armutsrisiko. Die Besucher der Einrichtungen der Sozialen Hilfe weisen überwiegend diese Merkmale auf. So sind steigende Besucherzahlen in der Tagesaufenthaltsstätte und der Beratungsstelle, wie sie aus den statistischen Erhebungen von 2012 zu ermitteln sind, nicht verwunderlich. In der Beratungsstelle gab es beispielsweise gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg der Fälle um 5 Prozent. In den im Rahmen der Kampagne „Umfairteilen“ gestarteten Aktionen auf der Straße und im Internet werden denn auch die von Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, aufgestellten Forderungen nach Einführung von Mindestlöhnen, der Erhöhung der Hartz IV-Sätze und der Reformierung des Wohngeldgesetzes verlangt. -kah- Der Armutsbericht des Paritätischen kann hier eingesehen werden: Armutsbericht 2012 (Quelle: Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V.)

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