Bezahlbarer Wohnraum für alle?

Für Kasseler Bürger muss diese Frage verneint werden. Nach der Kasseler Erklärung, unterstützt von der Liga der freien Wohlfahrtspflege und nunmehr zwei absolvierten Veranstaltungen des sozialpolitischen Forums im evangelischen Forum Kassel, ist klar geworden, dass in unserer Stadt noch immer nach Lösungen gesucht wird.

ank

30.04.2014

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Deutlich wurde dabei, dass immer mehr Nachfragegruppen dringlich geeigneten Wohnraum benötigen. Befriedigt werden können lediglich die Nachfragen im gehobenen Preissegment. Manche Studenten sind z. B. in der Lage Mieten bis zu zehn Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. Viele Kasseler Haushalte bekommen schon Probleme bei einem Quadratmeterpreis von sechs Euro.

Ein Auseinanderdriften von reichen Vierteln auf der einen und von der urbanen Entwicklung abgehängten Stadtteilen auf der anderen Seite ist als Konsequenz zu befürchten. Daran kann selbstverständlich eine aufgeklärte Stadtgesellschaft kein Interesse haben, darum müssen Kräfte gebündelt und eine konzertierte Aktion angeregt werden.
Gefragt sind Protagonisten der unterschiedlichsten Professionen und Arbeitsfelder. Der Umstand, dass Kassel inzwischen ein bedeutender Universitätsstandort ist, ermöglicht auch die Unterstützung der Wissenschaft. Stadtplaner, Soziologen, Sozialarbeiter und auch Vertreter der Kommunalpolitik, der Mieterbund, die Wohnungswirtschaft und nicht zuletzt engagierte Bürger und Betroffene sollten einen runden Tisch „Bezahlbarer Wohnraum“ gründen.

Das Ziel, eine soziale Stadt zu schaffen, kann nur gemeinsam erarbeitet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Begriffe, wie „Teilhabe“ nicht zur hohlen Worthülse verkommen. Der Umstand, dass in Kassel der Schutzschirm existiert, darf bei der Suche nach kreativen Lösungen nicht zum Totschlagargument verkommen.
Selbstverständlich muss auch Geld aus unterschiedlichen Töpfen fließen - vom Bund und vom Land. Aber auch die Privatwirtschaft muss sich fragen lassen, warum gerade in Deutschland Bauen im Vergleich mit europäischen Nachbarländern so unglaublich teuer ist. An den Löhnen kann es ja nicht liegen, sonst gäbe es keine Debatte über den Mindestlohn.

Die Ausgründung neuer Wohnungsgenossenschaften könnte eine Lösung sein, im Energiebereich ist dies inzwischen sehr populär (Stichwort Bürgerenergie auch in Kassel). Neben der Schaffung neuen Wohnraums wäre hier sogar mit Dividenden zu rechnen. Ein positiver Nebeneffekt in Zeiten ausbleibender Zinsen auf Sparguthaben.

Eine weitere Notwendigkeit liegt in der Erfassung von Immobilien in einem Leerstandkataster, wie inzwischen in vielen Städten der Republik erfolgreich angewandt. Auch Zwischennutzungskonzepte wären wünschenswert, weil diese den Druck, bezahlbaren Wohnraum zu finden, etwas reduzieren würden.

Für den Verein Soziale Hilfe ist diese Thematik nicht neu, denn er beschäftigt sich schon viele Jahrzehnte im Interesse der ihm anvertrauten Menschen mit Übergangslösungen. Bitte unterstützen Sie uns dabei, indem Sie sich einmischen und damit die „soziale Stadt“ ermöglichen.

Jens Retting-Frendeborg
Foto: Stefan Jünemann

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